Ein König der anderen Art

Am kommenden Sonntag ist Palmsonntag. Wir erinnern daran, wie Jesus in Jerusalem einzogen ist – auf einem Esel. Ein König auf einem Esel? Ja! Denn Jesus ist ein König, der anderen Art. 

Hosanna, dem Sohne Davids!

So hören wir es am kommenden Sonntag.  Wie in jedem Jahr an Palmsonntag wird an den Einzug Jesu in Jerusalem gedacht. Aber nicht nur das, auch die Passion – das Leiden und Sterben von Jesus – wird an diesem Sonntag gelesen. Mit dem Palmsonntag beginnt die sogenannte Kar-Woche, in der wir in Schrifttexten und Gottesdiensten die letzten Tage Jesu mitgehen können. Am Ende der Karwoche stehen die drei heiligen Tage – und schon am Sonntag vorher weisen die Texte auf diese besonderen Tage hin. Doch jetzt noch mal von vorn!

Der König auf dem Esel

Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Ein König auf einem Esel?! Was soll das denn? Ein König, der sollte doch besser auf einem hohen Ross reiten! Aber Jesus ist ganz bewusst auf einem Esel nach Jerusalem eingezogen: Nicht nur um zu zeigen, dass er kein König ist wie die Könige und Herrscher dieser Welt, die oft genug ihre Macht missbraucht haben und es immer noch tun, so wie wir es gerade in Europa leider wieder erleben müssen.

Jesus ist ein anderer König. Mit seinem Einzug in Jerusalem will er öffentlich zeigen, dass er der erwartete Messias und Retter des Volkes Israel ist! Denn vom Messias auf einem Esel hat schon der Prophet Sacharja gesprochen und auch König Salomo ist bei seiner Krönung auf einem Esel geritten.

„Jesus Christ Superstar“ – so ist er damals jedenfalls gefeiert worden. Bestimmt auch deshalb, weil viele dachten: Jetzt schmeißt er, der Gesalbte Gottes, die Römer endlich raus, jetzt wird unser Land von der Besatzung befreit!

Aus Fans wurden Feinde

Doch wir wissen: Diese Erwartungen hat Jesus nicht erfüllt. Und so überrascht es nicht, dass die große Zustimmung und Begeisterung nur wenige Tage später umgeschlagen ist. Einige, die erst „Hosanna“ gerufen und Jesus zugejubelt hatten, schrien plötzlich „kreuzige ihn“. Dass Freunde zu Feinden oder Gegnern werden – vielleicht haben auch wir selbst das schon erlebt.

In den Schrifttexten hören wir dann die Leidensgeschichte Jesu. Als er nach dem letzten Abendessen mit seinen Freunden im Garten Getsemane zu seinem Vater betet und fleht – da merken wir, dass Gott ein Gott ist, der ganz menschlich und uns so nah ist. Denn Gott verspricht uns nicht, uns VOR allem Leid zu bewahren. Aber er ist IM Leid an unserer Seite.

Und dann lässt Jesus sich ohne Gegenwehr verhaften und nimmt das Todesurteil einfach hin. Dieser Weg des Unschuldigen ans Kreuz hat viele verstört und empört – bis heute. So scheint der Ausgang doch dem Lauf der Welt viel zu ähnlich: Die Mächtigen gewinnen mit allen Mitteln, der Kleine kommt unter die Räder.

Der Weg ans Kreuz – für uns

Doch die Texte des Palmsonntages wollen uns nochmal klar machen, dass dieser Weg des Gottessohnes im wahrsten Sinne NOT-WENDIG war. Denn Gott geht diesen Weg ins Leiden, in Folter, Verurteilung und Tod, diesen Weg ans Kreuz FÜR UNS und um unseretwegen. Damit das, was zwischen uns und Gott stand, aus dem Weg geräumt werden konnte und wir neu Zugang zu ihm erhalten.

So hören wir in der Leidensgeschichte, wie Jesu Weg in Jerusalem geendet hat, wie aus dem Triumphzug ein Leidensweg geworden ist. Aber machen wir uns dabei auch bewusst, dass seine Passion letztlich der Auftakt war für seinen Einzug ins himmlische Jerusalem, wo er mit umso größerem Jubel empfangen wurde und wo auch wir eines Tages unseren Einzug feiern werden!

In dieser Erwartung, in dieser Vorfreude wollen wir den Einzug Jesu in Jerusalem feiern und uns einstimmen auf die Heilige Woche. Und ihm zurufen:

„Hosanna, dem Sohne Davids“

 

Autorin und Sprecherin: Martina Melles

 

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