Sehnsucht nach Frieden

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“. Diesen Satz hören wir am Sonntag wieder im Evangelium und in Zeiten des Ukraine-Kriegs bekommt er wohl eine stärkere Bedeutung denn je. Frieden – erstmal beginnt er in uns selbst.

F - R - I - E - D - E – N.

Aktuell ist dieser Begriff wohl leichter zu buchstabieren als auszusprechen. Auch wenn die Welt vermutlich bisher nur einmal, nämlich am Beginn ihrer Schöpfungsgeschichte, in genau diesem Zustand war, haben die Menschen seit jeher in sich eine Sehnsucht danach – bis heute. Und ganz besonders in diesen Tagen des Ukraine-Kriegs, in denen viele bisherige Gewissheiten einfach umgestoßen werden und in denen ein Krieg in Europa nicht mehr nur theoretisch möglich erscheint.

F - R - I - E - D - E - N.

Die Rede ist von Frieden.
Spätestens am Sonntag werden wir wieder über diesen Begriff stolpern, wenn Jesus im Evangelium seinen Jüngern und somit auch uns folgendes verspricht:
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Man könnte fast schon behaupten, der Begriff ist ein Dauerbrenner, dass er irgendwie schon als abgenutzt bezeichnet werden kann. Vielleicht schwingt hier auch ein bisschen Resignation mit: richtigen Frieden wird es doch sowie nie geben, solange die Menschen so sind wie sie sind.

Der Blick auf sich selbst

Rufen wir uns aber zunächst noch einmal das vor Augen, was zwar keine bahnbrechende Erkenntnis, aber irgendwie klar ist: Frieden fängt bei jedem Einzelnen selbst an. Wie sagt man umgangssprachlich so schön: Erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Wenn wir einmal ehrlich zu uns sind, wissen wir, dass wir meistens doch lieber erstmal den Zeigefinger gegen andere erheben. Ertappt?

Jesus hat hier einen anderen Ansatz. Er ist mit sich selbst ganz im Reinen, wenn er sagt: Frieden hinterlasse ich euch, MEINEN Frieden gebe ich euch. Es kommt ihm nicht darauf an, wie sein Gegenüber reagiert oder was es zur Situation beigetragen hat – Jesus hat von seiner Seite aus alles getan, damit Frieden eintreten kann, er hat seinen Frieden mit sich gefunden und kann diesen dann der Welt weiterschenken. Ist das dann nicht eigentlich der schönste Satz, den ein Mensch sagen kann, wenn es um das letzte Treffen auf Erden geht? Ich kann beruhigt gehen, da ich mit mir und euch in Frieden bin. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.

Was brauche ich für MEINEN Frieden?

Um Frieden für uns selbst zu finden und um anschließend auch anderen Frieden schenken zu können, müssen wir also zwingend bei uns selbst anfangen, uns selbst beleuchten und vielleicht auch einmal kritisch hinterfragen. Ein wertvoller und zielführender Ansatz hierbei kann die Frage sein: Was genau brauche ich für meinen inneren Frieden?

Eher klassische Ansätze, die in vielen Ratgebern und Anleitungen zu finden sind, können u. a. sein: in der Stille, der Meditation, im Gebet, in der Musik, im Sport.

Ein neuer und – wie ich finde – nicht uninteressanter Ansatz ist für mich aus einem Zitat entstanden, das ich vor kurzem gelesen habe und das mir ziemlich gut in Erinnerung geblieben ist: Schau zweimal hin, wenn dich etwas ärgert – vielleicht findest du einen deiner Träume wieder.

Wenn wir uns über irgendetwas ärgern oder uns von irgendjemandem angegriffen fühlen, wenn wir also gerade das größte Potenzial haben, um für Unfrieden zu sorgen, dann sollten wir uns genau diese Frage stellen: Ärgert mich hier vielleicht etwas, wovon ich selbst schon immer geträumt habe oder was ich mir selbst für mich wünschen würde – etwas, was ich aber nicht habe oder was ich nicht erreichen kann?

Mitunter können wir mit genau dieser Frage die Ursache oder den Keim für einen Konflikt aufspüren und so bereits bei uns selbst anfangen, unabhängig von unserem Gegenüber an einer Lösung zu arbeiten und letztlich mit uns ins Reine kommen. Natürlich sollte in dem erwähnten Zitat der Begriff Traum nicht allzu hoch gehängt werden: Gemeint ist damit wohl eher ein eigenes Bedürfnis oder ein eigener Wunsch.

Frieden beginnt in uns selbst

Ein Beispiel: Mich ärgert, dass mein Partner / meine Partnerin oft so spät von der Arbeit kommt. Das Problem ist hier nicht, wann wer wie spät nach Hause kommt, sondern dass mein eigener Traum bzw. mein eigenes Bedürfnis nicht erfüllt wird – etwa mit allen gemeinsam am Tisch zu essen oder mich selber auch auf der Arbeit verwirklichen zu können. Anstatt direkt in einen Streit einzusteigen, frage ich mich: Was könnte ich unabhängig von meinem Partner / meiner Partnerin und den Arbeitszeiten tun, damit das funktioniert?

Ich MUSS bei mir anfangen, um Frieden näher zu kommen. Nur so kann ich Frieden ausstrahlen und hinterlassen, wenn ich gehe, aus der Besprechung, aus dem Büro, von Freunden, von zu Hause… Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Wäre das nicht ein wunderschönes Abschiedsritual?

Autorin und Sprecherin: Carolin Hoffmann

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