„Unruhig ist mein Herz …“

Endlich mal Ruhe haben. Nicht ständig gestresst von einer Aufgabe zur nächsten rennen müssen. Und Entspannung genießen. Aber wie dann umgehen, mit diesen wenigen, kostbaren Momenten?

„Und wenn ich zum Augenblicke sage: verweile doch du bist so schön, dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn.“

Es ist die Schlüsselszene in Goethes Faust. Heinrich Faust, hochgelehrt, strebt im Alter nach dem vollen Leben: „So taumel‘ ich von Begierde zu Genuß, und im Genuß verschmacht‘ ich nach Begierde“. Er strebt den einen Moment an, in dem sein Drängen, sein Wunsch befriedigt ist auf Erden. Diesen Moment will ihm Mephisto bieten. Für diesen einen Moment ist Faust bereit dem Teufel seine Seele zu verpfänden; freilich nicht als Tausch, sondern als Wette; denn er glaubt selber nicht, erlangen zu können, was er sich wünscht.

Doch am Ende von Faust II verliert er die Wette. In der Erwartung seines ewigen Ruhmes spricht er: „im Vorgefühl von solchem hohen Glück genieße ich jetzt den höchsten Augenblick“ und verstirbt. Mephisto glaubt zu triumphieren. Doch brechen dann die Engel aus dem Himmel hervor und entziehen ihm seine Beute. Sie rufen aus: „Wer immer strebend sich bemüht den können wir erlösen“.

Hütten bauen, Heimat finden

Um das Festhalten des seligen Augenblickes geht es auch im kommenden Sonntagsevangelium. Lukas beschreibt die Verklärung Christi: Jesus zieht sich mit dreien seiner Jünger auf einen Berg zurück wo ihm die biblischen Propheten Mose und Elija begegnen und er schließlich ganz in Licht gehüllt wird. Es ist ein Moment, an dem sich Himmel und Erde begegnen. Für Petrus und die beiden anderen Jünger mag es der höchste Augenblick ihres bisherigen Lebens sein. Und Petrus will diesen Moment festhalten. Hütten will erbauen, um einen Ort zu schaffen auf Erden, der zum Verweilen einlädt.

Doch weder Elija noch Mose sind zum Verweilen gekommen. Und auch Jesus nicht. Das wird in der Anschlussstelle klar, als er wieder ins Tal hinab zieht um dort seine Jünger vorzufinden, die überfordert sind. Da rastet Jesus regelrecht aus: „Oh ungläubige und verkehrte Generationen! Wie lange muss ich bei noch bei euch sein und euch ertragen?“ Verweilen wollen hört sich anders an.

Und schon ist er weg

Verspürst auch du mitunter Unruhe? Stress? Und wünschst du dir, dass man dich endlich mal in Ruhe lässt? Dass du deine Ruhe hast? Oder möchtest du einfach einmal ankommen, irgendwo zu Hause sein und dich nicht ständig abmühen müssen? Die Apostel, ja selbst Jesus kennt diesen Wunsch. Ruhe zu haben, Friede und diesen Frieden dann festzuhalten.

Doch ist das ein vergebliches Bemühen. Man kann einen Moment des Friedens, der Präsenz, in der man ganz bei sich und bei dem anderen ist, nicht festhalten. Sobald man es versucht, ist er verschwunden.

Den Himmel vermögen

Das ist ein Phänomen, mit dem sich schon der Kirchenvater Augustinus beschäftigte, der in seinen Confessiones schrieb: „Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir.“ Der Apostel Paulus beschreibt es in der Lesung zum kommenden Sonntag so: „Denn unsere Heimat ist im Himmel.“

Das ist das keine faule Vertröstung auf die Ewigkeit. Aber es klärt den Blick. Denn wir vermögen den Augenblick, in dem sich Himmel und Erde berühren, nicht festzuhalten. Aber: Das brauchen wir auch nicht. Denn in Jesus Christus ist uns die Erfüllung unseres Wunsches nach Heimat und Frieden schon zugesagt.

Das entspannt. Und Entspannung ist genau das, was wir brauchen für jene kostbaren, seltenen Momente des Friedens auf Erden. Sie werden uns von Gott geschenkt. Verspürst du diese Unruhe mal nicht, sondern Frieden, genieße es und lasse den Moment ziehen. Und schick ihm ein erwartungsvolles Lächeln hinterher.

Maximilian Röll

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